Als Fußgänger unfallfrei durch die dunkle Jahreszeit

Fast ein Drittel der Verkehrsunfälle, bei denen Fußgänger verletzt oder sogar getötet wurden, ereigneten sich bei schlechten Sichtverhältnissen. Was jeder Einzelne, der zu Fuß unterwegs ist, tun kann, um sein Unfallrisiko zu minimieren.

Anteilig verunglücken deutlich mehr Fußgänger im Straßenverkehr bei schlechten Sichtverhältnissen in den Herbst- und Wintermonaten als im Frühjahr oder Sommer. Was die Ursachen dafür sind und mit welchen Maßnahmen sich Fußgänger vor Verkehrsunfällen schützen können.

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) 4.058 Fußgänger bei Verkehrsunfällen verletzt worden, davon überlebten 73 Personen den Unfall nicht.

Fast ein Drittel dieser Unfälle, konkret 1.271 Fußgängerunfälle beziehungsweise 31 Prozent, geschahen bei schlechten Sichtverhältnissen wie Nebel, Dämmerung oder Dunkelheit – die Mehrheit davon, nämlich 59 Prozent, ereigneten sich von Oktober bis Jänner.

Besonders gefährlich: Dunkle Kleidung bei Dunkelheit

Zu den Hauptursachen, warum gerade in den Herbst- und Wintermonaten das Unfallrisiko für Fußgänger höher ist, zählen demnach die früher einsetzende Dunkelheit und die schlechteren Sichtverhältnisse. Fußgänger, die bei Dunkelheit auch noch dunkle Kleidung tragen, werden beispielsweise erst viel später wahrgenommen als Personen, die helle Kleidung, am besten noch mit reflektierenden Bestandteilen tragen. Laut KFV werden dunkel gekleidete Personen von Pkw-Fahrern bei schlechten Sichtverhältnissen erst bei einer Entfernung von 20 bis 30 Metern erkannt.

Der Bremsweg eines Autos beträgt bei einer Gefahrbremsung bei Tempo 50 jedoch bereits rund 28 Meter oder mehr. Wenn ein Fußgänger die Fahrbahn betritt, reicht somit selbst bei einer schnellen Reaktion des Autolenkers eine Vollbremsung oftmals nicht aus, um eine Kollision zu vermeiden und rechtzeitig zum Stehen zu kommen.

„Fußgänger sehen zwar hell beleuchtete Kraftfahrzeuge bereits von Weitem, aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass man in der Dämmerung oder im Dunkeln von Fahrzeuglenkern ebenfalls automatisch wahrgenommen wird – egal wie gut sichtbar man sich selbst fühlt“, erläutert KFV-Verkehrssicherheits-Experte Dipl.-Ing. Klaus Robatsch.

Schneller gesehen werden und rutschsicher unterwegs sein

Ganz anders bei Personen, die helle Kleidung tragen, denn sie werden bereits aus einer Entfernung von circa 50 Metern erkannt. Noch besser ist Kleidung mit reflektierenden Materialien. Verkehrsteilnehmer können diese bereits bei einer Entfernung von bis zu 150 Metern erkennen und damit, wenn nötig, auch rechtzeitig bremsen oder ausweichen. Robatsch betont: „Durch das Tragen von sichtbarer, heller Kleidung und Reflektoren kann das Unfallrisiko um beinahe 50 Prozent gesenkt werden.“

Empfehlenswert sind insbesondere Sicherheitszubehör und Kleidung aus reflektierendem Material. Besonders wichtig ist eine solche auffällige Kleidung, aber auch reflektierende Elemente auf Schultaschen bei Schulkindern, die in den frühen Morgenstunden, wenn es noch dunkel ist, zur Schule gehen oder mit dem Rad fahren beziehungsweise bei der Abenddämmerung zurückkommen.

Ein zusätzliches Unfallrisiko in der nasskalten Jahreszeit sind zudem durch nasses Laub, Schnee oder Eisglätte verursachte rutschige und glatte Straßen. Zum einen erhöht das den Bremsweg der Fahrzeuge, zum anderen kommt es dadurch auch zu Stürzen bei den Fußgängern. Zumindest die Sturzgefahr lässt sich mit profilierten und rutschfesten Sohlen vermindern – und zwar nicht nur auf rutschigen und glatten Wegen, sondern auch auf Treppen und beim Ein- und Aussteigen in Bus oder Bahn.

Mit dem richtigen Weg das Unfallrisiko minimieren

Auch die Auswahl des Weges kann bei Fußgängern das Unfallrisiko mindern. Prinzipiell sollten nur gut beleuchtete Gehwege verwendet werden. Bei Straßen ohne Gehwege sollten Fußgänger, wenn möglich, den linken Fahrbahnrand benutzen, um sich so beispielsweise früher auf entgegenkommende Fahrzeuge einstellen zu können. Straßen ohne Fußgängerwege sollten von jüngeren Kindern niemals ohne Begleitung genutzt werden.

Für Schulkinder ist es zudem am sichersten, wenn sie nur auf Schulwegen gehen, bei denen keine Fahrbahnen überquert werden müssen. Grundsätzlich sollten Fußgänger und insbesondere Kinder beim notwendigen Überqueren von Straßen besonders vorsichtig sein. Wenn vorhanden, sind Fußgängerüber- oder -unterführungen, Fußgängerampeln, Schutzwege oder Zebrastreifen vorzuziehen, auch wenn der Weg dorthin einige Minuten mehr in Anspruch nimmt.

Fußgänger und vor allem Kinder sollten vor dem Überqueren einer Straße auf keinen Fall zwischen Sichthindernissen wie geparkten Autos oder Lkws stehen, denn das erhöht die Gefahr, dass sie, wenn sie auf die Straße treten, von vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmern übersehen werden. Das KFV stellt in seinem Webauftritt die Flyer „Sichtbarkeit ist Sicherheit“ und “Kinder im Straßenverkehr“ mit weiteren Sicherheitstipps zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung.